100 JAHRE BDA BERLIN - EIN GROSSES FEST
100 JAHRE BDA BERLIN - EIN GROSSES FEST
100 JAHRE BDA BERLIN - EIN GROSSES FEST
Fotos © Rainer Gollmer


Nur wenige Jubilare konnten bislang ihren 100. Geburtstag so lebendig und facettenreich feiern wie am vergangenen 3. Juli der BDA Landesverband Berlin. Seine Gründung am 10. Juni 1915 bot genug Anlass zu einem großen Fest und Festakt in und um Paul Baumgartens wunderbaren Konzertsaal der Universität der Künste, in dem noch bis tief in der Nacht weit mehr als nur seine 337 aktuellen Mitglieder feierten, aber auch viele sehr angeregte Gespräche über die Gegenwart und Zukunft der Architekten führten.

Wohl können andere Landesverbände wie der schon 1908 gegründete BDA Bayern auf eine noch längere Geschichte zurück blicken, doch was sich einmal mehr am Abend erwies, ist die besondere große Fähigkeit des BDA Berlin sich dem Wandel der Zeiten zu stellen und sich immer wieder wie kaum ein zweiter Landesverband zu verjüngen. Weshalb Thomas Kaup als Vorsitzender des BDA Berlin zu recht in seiner Festrede viel von Zukunft und Wandel sprach, um die oft sehr verwirrenden Zeitläufte Berlins und seines Landesverbands einem Publikum näher zu bringen, das heute selten noch mit den vergangenen Verhältnissen der geteilten Mauerstadt vertraut ist, als zwei BDA´s, in Ost- und West-Berlin existierten.


Foto © Rainer Gollmer

Vor allem Brücken bauen, wollte Thomas Kaup. Und viele Brücken in die nähere und noch ältere Vergangenheit des BDA bot er nicht allein mit seiner Rede an, sondern auch mit drei neuen fulminanten „Fundamenten“, zwei Büchern und einer Kurzfilm-CD als Schlüssel sich die Geschichte des BDA Berlin und seiner vielen Architekten ganz neu zu erschließen. Eine Geschichte, die aus Mangel an vielen Dokumenten oft nur sehr mühsam in den letzten Jahren zu rekonstruieren war. Eine Geschichte, die wiederkehrend von vielen Brüchen und Neuanfängen geprägt war und letztlich doch einen sehr aktiven Landesverband hervorbrachte, dessen Vielzahl aktueller Foren und Arbeitsgruppen beeindruckt.

Wie jedoch der BDA Berlin, zu dem wurde, was er heute ist, legte Thomas Kaup mit verschiedenen Text-Ausschnitten aus dem neuen Buch „Wechselhafte Zeiten. Fünf Ansichten aus 100 Jahren BDA Berlin“ erfrischend ungeschönt offen, dessen 5 ½ Autoren ganz unterschiedliche Perspektiven auf das Handeln von Architekten anbieten. Wie nun auch Ausschnitte aus 17 erlesenen Interview-Zeitzeugen-Porträts einer eigens zum Jubiläum produzierten Kurzfilm-Dokumentation darüber hinaus sehr persönliche Zugänge zur Architektenexistenz im 20. Jahrhundert eröffnen. 17 Berliner Architektinnen und Architekten der Jahrgänge 1912 bis 1946, die ihr Leben mit und außerhalb der BDA oft sehr informativ wie kurzweilig zu reflektieren verstehen. Lautes Lachen erfüllte da den Konzertsaal der UDK als Helga Schmidt-Thomsen in ihrem Film-Porträt über den Schinkel Wettbewerb des Jahres 1967 sprach, zu dessen „Herren-Festessen“ sie nach ihrer Preisverleihung nur als „Herr ehrenhalber“ eingeladen werden konnte.


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Neue Erkenntnisse oder sogar Unterhaltung konnte hingegen der folgende Festredner Andreas Geisel, Berlins neuer Senator für Stadtentwicklung und Umwelt weniger bieten. Doch seine Rede hob einmal mehr hervor, dass die Öffentlichkeit und noch mehr die öffentliche Hand mit dem Kürzel BDA ein Zeichen von Qualität verbindet – und dass neue Wachstum Berlins heute mehr denn je nach Dichte und Qualität verlangt, wenngleich letztere bitte möglichst noch weniger kosten darf. Wenn Senator Geisel danach nur etwas länger geblieben wäre, hätte er dazu vom BDA-Präsidenten Heiner Farwick einige Anregungen erhalten können wie ein erfolgreiches „Miteinander“ einer lebendigen Baukultur erreicht werden könnte. Denn sehr kenntnisreich, fast schon intim und überaus kurzweilig ging Farwick vor allem auf die Gegenwart des BDA Berlin ein. Unter vielen Initiativen, die er lobte, hebte er besonders dessen noch junges Ausstellungsformat „40x40“ als „einen Architekturentwurf als Politikum“ hervor. Eine Art von Ideenwettbewerb zu aktuell heiß diskutierten Orten Berlins, wo Architekten frech wie ebenso hintersinnig mit einem kleinen Stück Papier Position beziehen können.

Frech und intelligent bis zur Dreistigkeit war der letzte Festredner. Peter Richter, Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York brach mit seinem Vortrag „Das Bauen in Berlin als Erregungsgeschichte“  lustvoll alle gewohnten Bilder von Berlin auf. Von New Yorks jüngsten Mega-Dance-Club am Ufer des East Rivers ausgehend, der den Namen „Verboten“ trägt, hinterfragte er nachhaltig Berlins Anspruch wieder eine Weltmetropole zu sein. Und zugleich, warum ausgerechnet das arme Berlin aktuell weltweit so viel Beachtung erfährt. Zu Brandwänden, zu Plattenbausiedlungen und Hinterhöfen führte er das Publikum, um dann so manche vielfach gelobte baukulturelle Leistung in der Stadt umso mehr einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Was in einem leidenschaftlichen Plädoyer für das unschickliche Berlin der Hinterhöfe, der Nachkriegszeit und Zwischennutzungen mündete, das wirklich so nur in Berlin zu finden sei, das immer öfter andernorts mit großem Aufwand kopiert werde. Dagegen sei hier nirgends „weniger Berlin zu finden, wo es New York spielt“ wie etwa am Potsdamer Platz oder am Alex. Womit Peter Richter den größten Teil des Auditoriums im Sturm für sich gewinnen konnte, aber auch für viele leidenschaftliche Für- und Wider-Debatten nach dem Ende des Festaktes sorgte.


Foto © Rainer Gollmer

Doch zuvor war noch die Moderation von Luzia Braun zu überstehen, die vor Architekten so manches Fettnäpfchen punktgenau traf und zum zweiten Teil des Abends, nämlich zur Preisverleihung des BDA Preis Berlin 2015 überleitete. Michael Frielinghaus kam hier die Ehre der Vorstellung der Preise zu, der eloquent alle Qualitäten der prämierten Bauten zu benennen wusste. Von Bauten, die das ganze aktuelle Spektrum guter Architektur in Berlin überspannen. Angefangen mit dem ehemaligen Amerika-Haus, das für die Fotografie-Stiftung C/O Berlin respektvoll umgebaut wurde, über den roten Wohnkomplex Am Lokdepot und die Implantat-Quader-Bauten in der Joachimstrasse bis hin zur neugestalteten Psychiatrischen Station Soteria des St. Hedwigs-Krankenhauses.

Als sehr überraschender Sieger des Abends erwies sich aber ein anderes Projekt, das sowohl eine von vielen Auszeichnungen der Jury und zugleich noch den gemeinsam mit der Berliner Zeitung verliehenen Publikumspreis erhielt: Der Küchen-Pavillon des Urban Farming-Projekts Himmelbeet in Berlin-Wedding der jungen raumstar* architekten. Was einmal mehr demonstriert, dass Architektur-Spezialisten und die Öffentlichkeit sich gar nicht so sehr in ihren Qualitätsurteilen über Architektur unterscheiden, wie oft von manchen Politikern und Bauträgern behauptet wird.


Foto © Rainer Gollmer

Die offenkundig große Freude der jungen Preisträger jedenfalls war ein passender Abschluss für den Festakt, um danach das Fest beginnen zu lassen. In tropischer Hitze bewegte sich in den folgenden Stunden eine illustre, erstaunlich kopfreiche wie altersübergreifende Festgesellschaft durch die wunderbar transparenten Räume des Konzertsaalgebäudes von Paul Baumgarten, um hier ein paar Kurzfilm-Porträts, dort ein Bier und eine Currywurst zu genießen oder auf die Musik von DJ Dr. Ben Backmann einen Tanz zu wagen. So war es ein rundum gelungener Abend, mit dem sich der BDA und viele seiner Gäste beschenkte, um derart gestärkt bald danach wieder zum Alltag und letztlich den vielen Mühen der Ebenen zurückzukehren und hoffentlich auch die nächsten 100 Jahre mit erkennbarer Stimme sowie vielen qualitätsvollen Bauten mit gestalten zu können.

Claus Käpplinger

 

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