Qualität und Quantität – Wohnungsbau mit Zukunft
Qualität und Quantität – Wohnungsbau mit Zukunft
Qualität und Quantität – Wohnungsbau mit Zukunft
Fotos: Rainer Gollmer

29.09.2014

Positionen des BDA Berlin zum Wohnungsbau/Fachgespräch im DAZ mit großer Resonanz

Mit seinem Positionspapier Qualität und Quantität - Wohnungsbau mit Zukunft möchte der BDA Berlin eine differenzierte öffentliche Debatte über den Wohnungsbau in Berlin anstoßen. Zur Diskussion über de Wohnungsbau ludt der BDA Berlin am 29. September 2014 zum Fachgespräch mit Vertretern aus der Wohnungswirtschaft, den Bezirken und dem Senat in das Deutsche Architektur Zentrum DAZ ein.

 

Qualität und Quantität - Wohnungsbau mit Zukunft

Wohnungsbau ist wieder ein zentrales Thema von gesellschaftlicher Brisanz. Obwohl in Hamburg, München, Stuttgart oder Berlin schon viele neue Wohnungen entstehen, fehlen doch in allen Ballungsgebieten preisgünstige Wohnungen. Besonders bemerkbar macht sich dies in Berlin, wo 2012 und 2013 jeweils mehr als 40.000 Neubürger zuwanderten, die den Wohnungsmarkt wie auch die Politik nach Jahren des Stillstandes vor neue Probleme stellen. 

Berlin schrumpft nicht, sondern wächst wieder. Weshalb die jüngsten Prognosen des Berliner Senats bis zum Jahre 2025 von einem Bevölkerungszuwachs um 7 Prozent, sprich um 239.000 Einwohner ausgehen und daraus 137.000 zusätzliche Wohnungen ableiten. Von Wohnungsbau in großen Zahlen ist so erneut die Rede, was den BDA-Berlin schon vor zwei Jahren zur Gründung des neuen Arbeitskreises Wohnungsbau bewegte, der nun am 29. September 2014 erstmals in großer Runde am berühmten Y-Tisch des Deutschen Architektur Zentrums zu einer breiten Diskussion mit den Akteuren des Wohnungsbaus einlud. 

Eloquent vorgestellt wurde von Frank Arnold das neue Thesenpapier „Qualität und Quantität - Wohnungsbau mit Zukunft“ des BDA-Berlin, das vor allem mehr Nachdenklichkeit und Augenmaß im Wohnungsbau anmahnt. Mit sechs klaren Positionen wie „Städtebau und Lebensqualität“, „Nutzungsvariabel und wandelbar“ oder „Kostengünstig aber wertvoll“ benennt das Papier Konfliktfelder wie ebenso Handlungsoptionen, die zu mehr Qualitäten im Wohnungsbau führen könnten. Qualitäten, die Julia Dahlhaus als zweite Sprecherin des Arbeitskreises ganz konkret anhand bereits gebauter Beispiele im In- und Ausland eindrücklich zu visualisieren verstand.

Engelbert Lütke Daldrup, der neue Berliner Staatssekretär für Bauen und Wohnen stellte sich den Forderungen bereitwillig, aber betonte unmissverständlich, dass die aktuelle Situation von der Politik vor allem eine Beschleunigung und verbesserte Organisation der Planungsprozesse abfordere, um von derzeit etwa 4.500 auf 10.000 und mehr Neubauwohnungen pro Jahr gelangen zu können. Weniger die 

architektonische Qualität der einzelnen Projekte als deren Vermittlung gegenüber der zunehmenden Bereitschaft zu Einwänden seitens der Nachbarschaften stelle den Senat vor große Herausforderungen. Wozu er verstärkt auf städtebauliche Verträge und die „Entrümpelung“ des Baurechts setzen will.

Die Bezirkspolitiker Sibyll Klotz (Grüne) und Carsten-Michael Röding (CDU) führten hingegen in ihren Beiträgen aus, dass sich ihre politischen Diskussionen wie Zielvorstellungen deutlich von denen der Architekten unterscheiden. Der Stärkung von Städtebau und Gesellschaft und weniger den Qualitäten der Wohnarchitektur gelte schließlich ihre Arbeit. Weshalb Klotz vor allem in der Personalschwäche der öffentlichen Verwaltung ein Demokratieproblem sah, das immer mehr zu einer allein reaktiven Stadtplanung führe. Derzeit jedenfalls wären personell die Bezirksverwaltungen kaum in der Lage den Wohnungsbau beschleunigen und stärker moderativ begleiten zu können. Röding wiederum betonte: Berlin solle weniger problematisieren, dafür mehr eine „Willkommenskultur“ und seine Infrastruktur entwickeln, um dauerhaft Investitionen zu sichern. Weshalb er ausdrücklich die Absage einer Berliner IBA  bedauerte und deren Neuauflage wünschte, um die Qualität wie Geschwindigkeit des Wohnungsbaus steigern zu können.

Das Bild einer überalterten und schwachen Verwaltung zeichnete Rainer Latour, der langjährige Leiter des Stadtplanungsamts Charlottenburg-Wilmersdorf. Soziale und funktionale Mischungen seien kaum mehr durchsetzbar, da sich auch die Bauträger auf immer kleinere Segmente des Bauens spezialisiert hätten. Dafür sah Latour durchaus noch viel Raum in Berlin für größere neue Siedlungsprojekte entgegen des Staatssekretärs, der ganz auf kleinere bis mittlere Projekte mit maximal 1.000 Wohneinheiten setzen will.

Für neue Siedlungen bis zu 2.500 Wohnungen sprach sich Stefanie Frensch aus, die Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE, womit man längst nicht die Größenordnungen früherer Großsiedlungen erreichen würde und deshalb teure Infrastruktur und schwer auf dem Markt vermittelbare Nutzungsmischungen vermeiden könnte. Ihre HOWOGE werde in den nächsten vier Jahren 3.000 neue Wohnungen in Hohenschönhausen bauen. Allein schon aus Kostengründen gäbe es dabei keinen Raum für Experimente zumal es bislang nur eine recht überschaubare Zahl von Architekten gäbe, die ausreichende Erfahrungen im Wohnungsbau hätten.

Alexander Happ, Geschäftsführer der BUWOG Group zeigte sich schon aufgeschlossener gegenüber Funktionsmischungen, die eher von Bestands- als Bauträgern gemieden würden. Nur müsste die Politik solche Projekte auch stärker administrativ und finanziell fördern, da diese Projekte deutlich mehr Aufwand der Planung und Vermarktung erfordern würden. Weshalb er sich mit vielen kalkulatorischen Details für städtebauliche Verträge und Förderungen aussprach, um vor allen dem Notstand an bezahlbaren kleinen Wohnungen abzuhelfen. Was Andreas Schmucker von der Berliner Volksbank ähnlich sah, der den Berliner Markt für größere Wohnungen als allmählich befriedigt einstufte.

Überraschend breite Zustimmung fanden vor allem zwei Punkte in der Diskussion, dass die Überregulierung des Wohnungsbaus stärker hinterfragt und Planungen heute viel stärker den Bürgern moderativ vermittelt werden müssen. Schließlich würden heute selbst kleine Projekte wiederholt auf eine Vielzahl von Nachbarschaftsklagen treffen, die nach Karin Loosen, Präsidentin der AK Hamburg aber vor allem durch eine mehr Ressort übergreifende Planung reduziert werden könnten.

Deutlich weniger Resonanz fanden die Forderungen der Architekten nach mehr Offenheit und Qualität im Wohnungsbau, die keiner ihrer Gesprächspartner angesichts der Dringlichkeit des Wohnungsnotstandes mittragen wollte. Eine funktionsgemischte Stadt wünschten Alle, aber erteilten doch dazu erforderlichen Experimenten eine deutliche Absage. Einmal mehr fanden die Architekten keine Partner, die sich ähnlich wie sie der Qualität der einzelnen Wohnung annehmen wollten. Da bleibt nicht nur für den BDA und seinen Arbeitskreis noch viel zu tun, sondern letztlich auch für das Stadtforum, das sich in den nächsten Monaten zentral mit dem Thema Wohnen in Berlin öffentlich auseinandersetzen will.

Autor: Claus Käpplinger

BDA Arbeitskreis Wohnungsbau

BDA Berlin, Bund Deutscher Architekten Landesverband Berlin e.V., Mommsenstraße 64, 10629 Berlin, Tel 030 886 83 206, info@bda-berlin.de.

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