| Preis: | BDA PREIS BERLIN 2009, Auszeichnung |
| Titel: | Haus Bastian |
| Ort: | Berlin |
| Architekten: | David Chipperfield Architects |
| Bauherr: | Céline und Heiner Bastian |
Der Baukörper besetzt eine Baulücke auf dem Eckgrundstück der Straßen Am Kupfergraben und Hinter dem Gießhaus. Er schließt in seiner Höhe an die benachbarten Gebäude an, ein Höhensprung ergibt sich durch ein zurückgesetztes Geschoss an der Längsseite des Gebäudes. Die zur Museumsinsel weisende Ecke des Gebäudes erhält durch den Übergang der unterschiedlichen Traufhöhen besonderes Gewicht und wird durch eine zweigeschossige Loggia zusätzlich betont. Das an der Ostseite über zwei Geschosse geführte Fenster und der hohe Sockel nehmen Bezug zum Nachbargebäude. Der skulpturale Baukörper ist aus Abbruchziegeln ohne Dehnungsfugen aufgemauert. Die Oberfläche ist geschlämmt und durch Betonwerksteinkonsolen gegliedert. Die öffentlich zugänglichen Ausstellungsräume öffnen sich durch großformatige Fenster zum umgebenden Stadtraum. Nebenfunktionen sind in eingestellten Baukörpern in den 5,50 Meter hohen Ausstellungsräumen untergebracht. Die Ausstellungsflächen variieren durch die Volumenausbildung des Gebäudes und durch den unterschiedlichen Lichteinfall der versetzt angeordneten Fenster. Im Obergeschoss liegen neben den Ausstellungsräumen die private Wohnbereiche des Hauses.
Bericht der Jury: Das Verhältnis zur Geschichte ist eine der wichtigsten Fragen in der Berliner Architektur heute. Zwischen den Extremen eines resignativen Historismus und der genauso problematischen Tilgung der historischen Spuren sind auch gelungene Versuche zu erkennen, kreativ und souverän mit der Vergangenheit umzugehen.
Das Haus Bastian gehört zu den überzeugendsten Beiträgen zu dieser Problematik. Das Gebäude nimmt den Dialog mit seiner Umgebung selbstbewusst auf, ohne sich mimetisch zu verhalten. Der Neubau füllt die Volumetrie seines kriegszerstörten Vorgängers vollständig aus. Innerhalb von dessen Raumgrenzern jedoch entwickelt er eine freie und großzügige Folge von Ausstellungsräumen.
Die Größe der Fassadenöffnungen macht den öffentlichen Charakter und die Signifikanz der Geste im städtischen Kontext ablesbar. Diese Maßstäblichkeit fügt den Neubau in einen Zusammenhang mit den monumentalen Bauten der Museumsinsel.
Entsprechend sorgfältig ist die Materialisierung. Der Architekt hat für die Fassaden Abbruchziegel im Reichsformat gewählt, um die Idee der Kontinuität der Geschichte zu betonen.
Auf diese Weise gelingt der schwierige Balanceakt, zwischen öffentlich und privat, Haus und Museum etwas Eigenständiges zu bauen, das nicht als Kompromiss, sondern als Artefakt mit einer eigenen und extrem prägnanten Identität auftritt.