| Preis: | BDA-Preis Berlin 2009 |
| Titel: | Wiederaufbau Neues Museum Berlin |
| Ort: | Berlin |
| Architekten: | David Chipperfield Architects mit Julian Harrap |
| Bauherr: | Stiftung Preußischer Kulturbesitz vertreten durch Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung |
Das nach Plänen von Friedrich August Stüler errichtete Gebäude wurde durch Bomben schwer beschädigt. Die ungesicherte Kriegsruine war über Jahrzehnte der Witterung ausgesetzt. Zusammen mit der Kubatur des Gebäudes wurde auch der Säulengang zur Alten Nationalgalerie wiederhergestellt. Am Ufer der Spree ist mit dem geplanten Bau der James-Simon-Galerie beabsichtigt, die städtebauliche Situation vor der Freistellung des Gebäudes im Jahr 1938 zurückzugewinnen. Die bauzeitliche Raumfolge wurde durch die Ergänzungsbauten und die Restaurierung der Ruine wiederhergestellt. Der Neubau des Nordwestflügels fasst den Ägyptischen Hof ein, im Südosten schließt ein neuer Eckrisalit das Gebäudevolumen. Ein neuer Aufgang in der zentralen Treppenhalle erschließt die drei Ausstellungsgeschosse. Neu- und Einbauten sind aus großformatigen Betonfertigteilen in den Bestand gesetzt, die Fassaden der Ergänzungsbauten sind ziegelsichtig ausgeführt und orientieren sich in ihrer Gestaltung an den Proportionen des Bestandes. Erhaltene Raumgruppen und Bauteile wurden sorgfältig konserviert und nur behutsam ergänzt. Ausgangspunkt im Umgang mit dem Museumsbau ist die weitgehende Sicherung des Bestandes im vorgefundenen Zustand.
Bericht der Jury: Das Weiterbauen an dem Monument Stülerbau stellte an die Architekten grundsätzliche Fragen, wie neben dem geschichtlichen Bestand mit den vorgefundenen unterschiedlichen Zeitschichten und Fehlstellen umzugehen sei. Während die Restaurierung und Reparatur dem Leitgedanken folgte, den historischen Zusammenhang als Raumfolge in seiner klassischen Schönheit wiederzugewinnen, fanden die Architekten ihr Kompositionsthema gerade in dem Kultivieren der Brüche und der Inszenierung des scheinbar Unfertigen. Es gelang mit diesem Ansatz in hervorragender Weise, eine Raumathmosphäre zu schaffen, die dem Ort und der Aufgabe angemessen ist, da sie über ihre räumlichen Qualitäten hinaus auch die vierte Dimension, die Zeit, erfahrbar macht. Die Fehlstellen – und hier ist an erster Stelle der zentrale Aufgang zu nennen – wurden durch kraftvolle Neubauteile ergänzt, welche das Verlorene reflektieren und eine subtile Balance zwischen monumentaler Ordnung und dem menschlichen Maßstab halten. Gerade in Berlin ist der Umgang mit Monumentalität nicht nur eine architektonische Frage. Der Wiederaufbau des Neuen Museums steht einerseits für die wesentliche Prägung der Stadt durch Kulturbauten und Orte, die das kollektive Gedächtnis der Hauptstadt sind. Andererseits ist er ein überzeugender Beitrag für einen Weg jenseits der reinen Rekonstruktion. Denn der Versuch, durch die Wiederholung der historischen Gestalt Geschichte sichtbar zu machen, als wäre nichts gewesen, wäre ahistorisch.